Open Linking:
Konzepte und Anwendungen
Marc André Selig
ZPID, Universität Trier
Diese Präsentation wurde in S5 erstellt und lässt sich auf jedem
CSS2-kompatiblen Browser (z.B. Firefox, Mozilla, Opera) ansehen. Die
Darstellung am Beamer wurde für Opera 7.54 bei einer
Bildschirmauflösung von 1024x768 Pixeln optimiert.
Agenda
- Open Linking: Motivation und Konzept
- Open Link Resolver in der Praxis
- Überregionale Nutzung
- Verteilte Rechteverwaltung
Warum Open Linking?
- Bibliographische Datenbanken liefern Zitate
- Zitate umfassen z.B. Metadaten und evtl. einen Abstract
- Nutzer wollen aber den Volltext lesen
- Woher der Link zum Volltext?
Suche in einer Bibliographie

Wunschtraum: Volltext

Klassisch: Datenbank!
Diesen Ansatz haben wir alle schon einmal gesehen:
Wir tragen die URL einfach in die Referenzdatenbank ein!
AU:Karl A, ...
TI:Reorganization of motor and somatosensory cortex in...
PY:2001
JBD:21
JHFT:10
PG:3609-3618
URL:http://www.jneurosci.org/cgi/content/abstract/21/10/3609
Klassisches Ergebnis: 404!
Plugins für eine Datenquelle
- 20 Minuten pro Journal für eine Datenbank mit 1500 ISSNs kosten also
höchstens 63 Arbeitstage oder etwas über drei Monate Arbeitszeit.
- Ändert ein Verlag seine URLs durchschnittlich zweimal im Jahr, benötigen
wir demnach eine halbe Programmiererstelle für diesen Job.
- Wir haben keine Garantie, dass sich die URL nur zweimal im Jahr ändert.
Plugins für eine Datenquelle

Plugins für fünf Oberflächen
- Unsere Datenbank war während der Projektlaufzeit über mindestens fünf
grundverschiedene Suchoberflächen erreichbar.
- Wollten wir Plugin-Verknüpfungen zu den Volltexten für jede dieser
Oberflächen erstellen, benötigten wir (fast) den fünffachen Aufwand.
- Was tun Leute mit mehr Oberflächen? Mit mehr Datenbanken? Mit mehr
Projektpartnern?
Plugins für fünf Oberflächen

Open Linking

Open Linking bedeutet:
- Jede Datenquelle ("Source") kann bibliographische Informationen in einem
einheitlichem Format (z.B. "OpenURL") ausdrücken
- Ein Übersetzungsmechanismus (der "Open Link Resolver") bildet die
standardisierten OpenURLs auf die gewünschten Dienste (z.B. elektronischen
Volltexte) ab.
- Die Komplexität der Implementationsarbeiten reduziert sich von n *
m auf n + m.
Terminologie

OpenURL
- Einfacher Standard für die Übergabe bibliographischer Metadaten
- Aktuelle Version 0.1 unterstützt vor allem Printmedien
- Kommende Version 1.0 unterstützt auch andere Medien
- Weite Verbreitung und Unterstützung durch etablierte Software
OpenURL – Beispiel
http://sfx.zpid.de:9003/sfx_local
?sid=infoconnex:zpid
&__char_set=latin1
&genre=article
&aulast=Karl
&atitle=Reorganization of motor and somatosensory cortex...
&title=Journal of Neuroscience
&volume=21
&issue=10
&spage=3609
&epage=3618
&date=2001
&issn=0270-6474
(%20 als Whitespace dargestellt)
Vorteile des Open Linking
- Eine OpenURL lässt sich unmittelbar aus bibliographischen Metadaten
erzeugen
- Das verlinkende System benötigt keinerlei Informationen über das verlinkte
System, noch nicht einmal über die Art des angebotenen Dienstes
- OpenURLs sind persistente Links und bleiben unbegrenzt gültig,
unabhängig von lokalen Anpassungen beim Verlag
- Open Linking ermöglicht eine Lösung des Appropriate Copy-Problems
Appropriate Copy
- Zahlreiche elektronische Dokumente sind in mehr als einer Version
verfügbar.
- Beispielsweise könnte ein Zeitschriftenartikel beim Verlag erhältlich
sein, bei mehreren Aggregatoren (z.B. Ingenta oder Proquest) sowie bei lokalen
Lieferdiensten.
- Selbst wenn ein lokales Abonnement vorliegt, gilt dies meist nur für eine
dieser Kopien.
- Anforderung: Es soll der "beste" (falls möglich: bereits bezahlte)
Volltext angezeigt werden.
Kontext-sensitives Linking
- Eine OpenURL beschreibt ein bestimmtes Dokument, nicht eine bestimmte Instanz des Dokuments
- So wie ein herkömmliches Zitat zwar Autor und Titel angibt, aber nicht, ob es sich um eine Fotokopie handelt oder eine PDF-Datei
- Der Link Resolver berücksichtigt Informationen über das verlinkte Objekt, über das verlinkende System, über den Endnutzer (u.a.)
- Damit ermöglicht Open Linking auch kontextsensitives Linking:
- Jeder Benutzer sieht die für ihn persönlich beste Instanz des Dokuments
Agenda
- Open Linking: Motivation und Konzept
- Open Link Resolver in der Praxis
- Überregionale Nutzung
- Verteilte Rechteverwaltung
SFX
- Ex Libris bietet mit SFX einen fertigen Open Link Resolver an.
- Zusätzlich liefert es mit der Knowledge Base die Verknüpfungen von vielen
Datenbankprodukten und zu vielen Diensteanbietern mit.
- Die Knowledge Base wird durch monatliche Updates ständig aktuell gehalten.
- Der eigene Implementationsaufwand reduziert sich auf diejenigen
Verknüpfungen, die nicht allgemein nutzbar sind.
SFX (Grafik)
Alle blau hinterlegten Elemente sind mit SFX fertig einkaufbar.

Besonderheiten von SFX
- Software: Fertig konfektioniertes System, einfaches Deployment
- Mindware: Weitreichende und laufend aktualisierte Knowledge Base
- Toolbox: Auf Wunsch Entwicklungsplattform mit etablierten Standards
OpenURL in der Praxis (1)
Wir verlinken auf OpenURLs mit dem SFX-Emblem
:

Das ist die Source, unsere bibliographische Datenbank.
OpenURL in der Praxis (2)
Nach Klick auf den Button
erscheint
das SFX-Menü:

Das ist der Open Link Resolver.
OpenURL in der Praxis (3)
- Der Nutzer wählt einen geeigneten Dienst aus (ein Target)
- Anschließend erzeugt der Open Link Resolver SFX einen möglichst guten Link
OpenURL in der Praxis (4)

Targetvarianten (Auswahl)
- Elektronische Volltexte
- Pay-per-View-Dienste ("synchrone Lieferdienste")
- "Asynchrone" Dokumentlieferdienste: SUBITO, British Library, CISTI, Infotrieve etc.
- Lokale Dienste: z.B. OPAC, Bestellsysteme
- Lokale oder vernetzte Datenbanken: z.B. Citation Services, Endnote o.ä.
- Suchmaschinen
Agenda
- Open Linking: Motivation und Konzept
- Open Link Resolver in der Praxis
- Überregionale Nutzung
- Verteilte Rechteverwaltung
Überregionale Nutzung
- Das ZPID betreibt SFX im Kontext der Informationsverbünde infoconnex und (bald) vascoda
- Nutznießer sind sowohl institutionelle als auch individuelle Datenbankkunden des ZPID und seiner Partner
- Diese überregionale Anwendung birgt besondere Herausforderungen
Lokale Dienste
- Manche Bibliotheken haben eigene Dienste aufgesetzt,
teilweise eigene SFX-Server
- Häufig sind lokale Dienste für den Nutzer hochwertiger als überregionale
- Wie können wir lokale Dienste in ein überregionales Angebot integrieren?
- Nur zentraler Resolver: keine lokalen Dienste
- Nur lokaler Resolver: keine zentralen Dienste
- Gegenseitiger Austausch der Link Server – Kooperation nötig!
Unbekannte Lizenzsituation
- Typische Situation: Universitätsbibliothek hat
bestimmte Zeitschriften mit elektronischen Volltexten abonniert.
Sie weiß,
- welche Zeitschriften das sind
- und über welchen Zugangsanbieter der Volltext erhältlich ist
- Überregionaler Fall: Nutzer können von überallher kommen.
- Welche Lizenzen hat der Nutzer?
- Und über welchen Zugangsanbieter?
Zentrale Lizenzdatenbanken?
- Lizenzdaten könnten zentral vorgehalten werden (EZB, ZDB)
- Interaktion zwischen EZB/ZDB und Open Linking Systemen muss selbst geschaffen werden!
- Lizenzdaten könnten lokal vorgehalten und an verteile Systeme übermittelt werden
- Interaktion zwischen lokalen Datenbanken und Open Linking Systemen ist noch Zukunftsmusik (Shibboleth, siehe später)
Pay-per-View notwendig?
Typischer Fallback: Pay-per-View-Anbieter.
- Hohe Priorität der Pay-per-View-Zugänge für offene Nutzergruppen!
- Studenten nutzen Pay-per-View selten, da teuer.
Niedergelassene
Psychotherapeuten zahlen lieber fünf Euro für einen Artikel als
zwanzig Euro für die Fahrt zur Bibliothek.
- Aktuelle Entwicklungen im Bereich des Urheberrechts haben
Dokumentlieferdienste zumindest für ausländische Kollegen schon stark
eingeschränkt.
Umgang mit Pay-per-View
- Dürfen wir dem Kunden solche Anbieter zeigen?
(Unis ärgern sich, Forschungsunternehmen präferieren eigene
Lösungen.)
- Wenn ja, welche?
(Die kanadische CISTI ist nicht für jeden deutschen Kunden adäquat.)
- In welcher Priorität?
(Was ist für wen wie teuer?)
- Wer zahlt? Wie?
Agenda
- Open Linking: Motivation und Konzept
- Open Link Resolver in der Praxis
- Überregionale Nutzung
- Verteilte Rechteverwaltung
IP-Authentifizierung heute?
- Traditionelle Identifizierung von Universitätsangehörigen durch Zuordnung von IP-Adressen an Universitäten
- Billige Einwahlverbindungen und DSL: Viele Leute nutzen
einen eigenen Internetzugang
- Mobiles Internet: Viele Leute nutzen den Internetzugang
des Telekommunikationsanbieters
- In beiden Fällen erhalten sie eine universitätsfremde IP-Adresse und könnten lokale Ressourcen nicht mehr verwenden
Was tun?
- Abonnements dürfen nur im Lesesaal genutzt werden? Elektronische Abonnements sind ohnehin zu teuer??
- Nutzer könnten sich authentifizieren!
- Sie müssten sich bei uns anmelden, mit dem Login der Uni.
- Wir brauchen nur noch die Nutzerdatenbank der Uni, komplett mit Usernamen
und Passworten.
- Genauer: Wir brauchen die Daten von allen Unis, von denen wir
Nutzer sehen könnten. Au!
Was tun? (2)
- Geniale Idee: Die Nutzer melden sich nicht bei uns an, sondern bei ihrer
eigenen Universität.
- Wie gelangen die Nutzer dorthin? Wie gelangt die Anmeldung zu uns?
- Trennung zwischen
- Authentifizierung (wer bin ich?) und
- Autorisierung (was darf ich?)
- Nutzung von Identitätsdiensten der jeweiligen Universität
- Shibboleth!
Shibboleth

Grafik aus http://shibboleth.internet2.edu/draft-internet2-shibboleth-arch-v05.html
- SHIRE: SHibboleth Indexical Reference Establisher
- WAYF: Where Are You From?
- SHAR: SHibboleth Attribute Requester
Verteilte Authentifizierung
- Das Modul "Where Are You From?" lokalisiert den Nutzer bzw. bittet ihn um manuelle Lokalisierung.
- Universität authentifiziert den Nutzer und übermittelt ihm ein (pseudonymes) kryptographisches Handle
- Universität autorisiert den Nutzer und assoziiert mit der Handle Attribute
(z.B. "kann Springer-Zeitschriften über springerlink.com lesen")
- Vertrauen zwischen Anbieter und Universität!
Shibboleth-Implementation
- Fertige Bausteine für gängige Systeme verfügbar
- Anbindung an lokale Authentifizierungsdienste (z.B. LDAP)
- Anbindung an lokale Autorisierungsdatenbanken (z.B. ERM-Dienste)
Shibboleth-Problem
- Wie lange wird es wohl dauern, bis alle deutschen
Universitäten einen Handle Service und eine Attribute Authority aufgesetzt
haben?
- Ansatz der Universitäten Freiburg und Regensburg: Wir erweitern Shibboleth
um die bekannte IP-basierte Identifizierung:
- Wenn ein Nutzer sich über einen lokalen Shibboleth-Server ausweisen kann,
soll er das tun
- Ansonsten versuchen wir eine IP-basierte Identifizierung anhand der
bekannten Datenbanken
- Wenn auch das fehlschlägt, hat der Nutzer Pech gehabt.