blog :: de :: computer :: phones :: alcatel-ot-665
Auf meiner Suche nach einem billigen Zweitgerät zum mobilen Telefonieren mit Bluetooth-Freisprechanlage bin ich auf das Alcatel OT-665 gestoßen, das in Deutschland leider nur schlecht erhältlich ist. Mein Exemplar lieferte Saturn in Köln für knapp 50 Euro.
Das Klapp-Handy (technische Daten von GSM Arena) hat eine sehr groß anmutende Zifferntastatur. Neben dem kleinen, aber auch im Freien gut ablesbaren Hauptbildschirm gibt es noch ein Außendisplay, das über Empfang, Akkustand und Uhrzeit informiert und den Namen von Anrufern anzeigt. Das Gehäuse ist aus Plastik, aber recht ordentlich verarbeitet; einzig ein Knarzen bei einer Taste stört ein wenig. Das Fliegengewicht (96x48x17 mm, 76 g) liegt gut in der Hand.
Der Akku-Deckel ist ein wenig filigran gearbeitet. Unter dem Akku befindet sich der hakelige SIM-Karten-Halter sowie ein Einschub für eine Micro-SDHC-Speicherkarte. Wer das Handy dank 3,5-mm-Klinkenbuchse als MP3-Player verwenden möchte, darf und muss hier eine Speicherkarte einsetzen, denn vom eingebauten Flash-Speicher sind wenig mehr als drei Megabyte (sic) frei. Zum Aufladen dient eine Micro-USB-Buchse — sehr angenehm, spart man sich so doch ein zusätzliches Netzteil. Die erste Aufladung hat trotz meines Spieltriebs eine gute Woche durchgehalten.
Eine 2-Megapixel-Kamera ist vorhanden und liefert erwartungsgemäß nicht die allerbesten Fotos. ;-)
Die Software sorgt für einige angenehme Überraschungen. So ist ein echter E-Mail-Client eingebaut, der bei eingehenden E-Mails POP3 und IMAP unterstützt, wahlweise auch verschlüsselt per TLS/SSL. Der Abruf ist manuell oder automatisch in Intervallen zwischen fünf Minuten und zwei Stunden möglich.
Etwas ärgerlich: Gelöschte E-Mails werden im Offline-Modus lediglich mit einem "Gelöscht"-Flag versehen. Dieses wird zwar korrekt auf den Server synchronisiert, allerdings wird ein "Expunge" (also das tatsächliche Löschen der so markierten Nachrichten) zunächst nicht angeboten. Dieses ist erst im Online-Modus möglich, dort etwas versteckt — und betrifft dann nicht die lokalen Kopien des Offline-Modus, wo bereits gelöschte Mails also per Zauberhand wieder auftauchen. Nicht durchdacht, aber letztlich eine Kleinigkeit.
Zum verschlüsselten Versand unterstützt das E-Mail-Programm neben SMTPS auch das aktuellere STARTTLS, wobei als Authentifizierungsverfahren SMTP-after-POP/IMAP sowie AUTH PLAIN angeboten werden. Ausdrücklich nicht unterstützt werden AUTH CRAM-MD5 und AUTH DIGEST-MD5, also die beiden von sendmail ohne Unterstützung durch saslauthd angebotenen Protokolle. Wer einfach nur seine E-Mail über GMX oder Google verschicken möchte, braucht sich daran nicht zu stören. Bei IMAP können versendete E-Mails anschließend automatisch in einen zu wählenden Archivordner auf dem Server kopiert werden. Weitere Ordner außer der INBOX werden aber leider nicht mehr unterstützt und bleiben unsichtbar. Trotzdem eine angenehme und recht gut funktionierende Lösung.
Widgets für das aktuelle Wetter sowie einen RSS-Reader, beide ebenfalls mit (auf Wunsch) automatischer Aktualisierung, hätte ich bei einem Gerät dieser Preisklasse nicht erwartet. Sie runden das Paket angenehm ab.
Opera Mini ist in einer 4.x-Version vorinstalliert. Ein WAP-Browser ist zusätzlich an Bord. Freilich kommt das kleine Display beim Surfen rasch an seine Grenzen.
Ein simples Adressbuch und ein ebenso einfacher Kalender sind vorhanden. Ein Abgleich mit dem Desktop per SyncML ist vorgesehen — getestet habe ich ihn nicht.
Diverse Schwächen sind in der Software leider ebenfalls vorhanden. Der schlimmste Patzer ist die Implementation der T9-ähnlichen Eingabehilfe, bei der Großbuchstaben innerhalb eines Satzes nicht (bzw. erst durch Deaktivieren der Eingabehilfe) eingegeben werden können. Die Klingelmodi des eingebauten Weckers (Ton und/oder Vibration) sind von den Profilen abhängig, sodass man bei nächtlichem Wechsel auf "Lautlos" oder "Besprechung" einmalig darauf achten muss, den Wecker wieder laut zu schalten. Die Übersetzungen einiger Menüpunkte ins Deutsche (sowie Englische — Alcatel ist eigentlich eine französische Firma, aber das Gerät kommt von TCT Mobile aus China) sind lieblos erfolgt; teilweise sind Menüpunkte daher scheinbar doppelt (z.B. werden "Display Name" und "User Name" beide mit "Benutzername" übersetzt) oder so lang, dass man zur Unterscheidung auf das lähmend langsame Seitwärtsscrollen warten muss.
Fazit: Mir gefällt das Gerät bislang gut; es muss jetzt zeigen, inwieweit es auf Dauer befriedigen kann. Bei den von mir geforderten Funktionen (Bluetooth und rudimentäre Unterstützung für E-Mail) ist das Gerät in der Preisklasse unter 50 Euro praktisch konkurrenzlos. Das Nokia C1-01 (44 Euro) habe ich aufgrund fehlender Funktionen und inakzeptabler Lizenzbedingungen als Unverschämtheit empfunden und sofort zurückgeschickt; das Samsung E2121 (35 Euro) habe ich im Handel nie gesehen; andere Geräte scheinen in diesem Segment auf E-Mail komplett zu verzichten.
posted at: 17:37 | path: /de/computer/phones | permalink